Videos für Azubis und Trainees

Richtiges Video-Recruiting für Azubis und Trainees

„Der Wirtschaft gehen die Auszubildenden aus“, titelte die ZEIT im Juli dieses Jahres. Sie bringt einen Prozess auf den Punkt, der sich schon seit Jahren verschlimmert. Unternehmen werden im hart umkämpften Azubimarkt vom Arbeitgeber zum „Arbeitsanbieter“. Und das stellt die meisten vor große Herausforderungen.

Ein Lösungsansatz für Unternehmen und ihre HR-Abteilungen besteht darin, die Ausbildungszeit durch mehr Urlaubstage, besseres Gehalt und zusätzliche Qualifikationsmöglichkeiten attraktiver zu gestalten. Ein weiterer setzt schon beim Bewerbungsverfahren an: Hier wird versucht, der Target Group, den Generationen Y und Z, so gut wie möglich entgegenzukommen. Soll heißen: Bequem (und) digital. Die Deutsche Bahn zum Beispiel bittet nur noch um online einzureichende Zeugnisse und CVs ohne Motivationsschreiben. Eingehender kennenlernen würde man sich dann ja beim persönlichen Bewerbungsgespräch.

Das Kennenlernen der möglichen Ausbildungsstätte beginnt aber natürlich schon viel früher. Dann, wenn die Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Netz nach Stellen suchen. Ob man diese Zielgruppe, die mit Online-Bewegtbildern groß geworden ist und diese täglich auf ihrem Smartphone konsumiert, mit Recruitingvideos konfrontiert, sollte für jeden HR-ler eine rhetorische Frage sein. Die Frage nach dem „Wie“ ist allerdings eine entscheidende.

Was die Zielgruppe will: Kurzweil und Humor, aber bitte keinen Rap!

Wie also sollten Employer-Videos im Kampf um die besten Azubis und Trainees aussehen? Wie könnte ein Video eher unbeliebte Ausbildungszweige wie die Gastronomie oder das Baugewerbe schmackhaft machen? Wir zeigen Ihnen Best Practice-Beispiele und Rohrkrepierer: Was funktioniert und was geht gar nicht bei der Zielgruppe?

 

Soviel vorab: Alle Bestandteile, die ein gutes Employer Branding-Video aufweisen sollte – Authentizität, Kurzweiligkeit und Humor –, fallen bei der jungen Zielgruppe in potenzierter Form ins Gewicht. Gleichzeitig ist das Risiko, durch eine bemüht jugendliche Ansprache unfreiwillig komisch zu wirken, hier besonders groß. Man erinnere sich nur an die grausame Welle von Azubi-Rap-Videos (z.B. von Edeka oder McDonald’s in 2012)

So eher nicht: Wenn allein der Chef spricht…

Carpool Recruiting – ohne Karaoke und ohne … Recruiting

Schon der Titel des auf YouTube platzierten Films führt in die Irre, weil er Erwartungen weckt – „Whaat? Zetsche singt gleich à la James Gordon mit einer Bewerberin, wie geil!“ –, die in keiner Weise erfüllt werden. Von einem Duett oder einem Dialog auf Augenhöhe kann hier nicht die Rede sein. Leider darf die Trainee-Kandidatin nur Stichwortgeberin sein für den steuernden Unternehmenschef, der Werbemonologe über seine Autos und deren Zukunft hält. Über den Onboarding-Prozess und die Aufgaben, die der studierten Elektrotechnikerin in dem Konzern bevorstehen könnten, erfährt man nichts.

Schon besser: Wenn die Trainees sprechen…

Selbstbewusst und self-aware: „Sounds cheesy, but it’s pretty cool!“

Junge Bewerber identifizieren sich eher mit jungen Kollegen im Video als mit dem Chef. Sie zu zeigen und zu Wort kommen zu lassen macht also Sinn, solange sie auch etwas Spannendes zu sagen haben.

Auf seinem YouTube-Karriere-Kanal schaltet adidas einige Mitarbeiter-Porträts, die mit ihrer Self-Awareness darüber, dass sie gefilmt werden, doppelt punkten. Der erste Punkt betrifft die Reflexion der Inszeniertheit: War es vor zehn Jahren noch hip, am Ende eines Trainee-Videos Outtakes einzubauen und so die filmische Gemachtheit auf eher rabiate Weise zur Schau zu stellen, sind mittlerweile kurze Making-of-Momente integrale Bestandteile. Bemerkenswert am Video ist hierbei, dass Protagonistin und HR-Trainee Amaya im Intro das Funkgerät eigenmächtig bedient. Sie ähnelt einem jugendlichen Prosumer, der mit seinem Mobile Device hantiert, und wird dadurch von Anfang an nicht als passive, sondern aktive Trainee-Fürsprecherin präsentiert, die die Tonaufnahme ihrer Statements überhaupt erst möglich macht.

Der zweite Punkt betrifft die Statements: Dass diese nicht immer hochoriginell sein müssen und sich auch mal mit einem Aussageklischee aus der weiten Welt bisheriger Corporate-Filme decken können, solange diese mitgedacht werden, beweist das adidas-Karrierevideo „Working at adidas Group Headquarters“. Ein Mitarbeiter staunt über die imposante Architektur der Niederlassung und fügt im Bewusstsein darüber, dass er sich bestimmt nicht als einziger hierzu geäußert hat, rasch hinzu: „Sounds cheesy, but it’s pretty cool!“

Cool ist auch der Mix aus schnell hintereinander geschnittenen Headquarter-Impressionen zu Minimal Elektropop und offenen Interview-Framings, die Raum für individuelle Posen und Gesten gestatten. So werden Aussagen beispielsweise zur Interkulturalität und Offenheit bei adidas glaubwürdiger und spürbar gemacht. Stärker als bei herkömmlichen Talking Head-Videos.

Leider zu bemüht: Abklatschen im Klettergarten (oder: „Jeder Tag ist anders!“)

Natürlich kann nicht jedes Unternehmen mit derartigen Settings wie dem adidas Headquarter beeindrucken, muss man aber auch nicht. Das Azubivideo der Sparkasse Bochum zum Beispiel zeigt sorgsam produzierte und montierte Bilder von Teambuildings im Freien. Bedauerlicherweise wurde dabei der Fokus auf Klettergarten-Szenen und somit auf ein eher verbrauchtes Motiv gelegt – Abklatsch-Moment inklusive. Auch aufgrund der ermüdenden, wiederholten Phrasen der Trainees wie „Jeder Tag ist anders!“ bleibt das ästhetisch überzeugende Video leider doch nur ein Durchschnitts-HR-Produkt.

Gewagt, gewonnen: Von Talking Heads zu Bodies in Action!

Gegenbauer: Die Ausbildung für Binge-Watcher

So coole Talking Head-Videos wie die von adidas funktionieren. Richtig packend sind sie aber noch nicht. Um sich als HR-ler von anderen Videokampagnen abzusondern und die richtigen Absolventen im „War for Talents“ für sich zu gewinnen, lohnt es sich, die Stereotypen des Genres etwas aufzubrechen. Und sich anderer zu bedienen. Folgen Sie Formaten, die bei Jugendlichen gerade angesagt sind!

Gegenbauer entschied sich für eine Reality-Doku-Serie (à la „Berlin – Tag & Nacht“) namens „Die CrewCrew“. Hier inszenieren sich die Azubis großenteils selbst mit ihren Smartphones – als coole Machertypen, die dem Unternehmen aus der Patsche helfen und ein Mitarbeiterfest binnen 72 Stunden organisieren müssen. Diese Haupt-Challenge setzt die erste Staffel in Gang, deren Episoden eine Mischung aus Roadshow, WG-Reportage und Taskforce-Action rund um Berlin darstellt. Nicht fehlen darf natürlich eine extra Serien-Homepage im angesagten 80er Retro-Look. Und mit Verlinkungen zu weiteren Präsenzen auf Spotify und Facebook. Gegenbauer: Die Azubi-Flüsterer!

Maritim: Zombies vorm Hotel

Abheben wollte sich auch Maritim Hotels, und das aus gutem Grund: Ausbildungsstellen in der Hotellerie gehören schon seit Jahren zu den unpopulärsten. Die dort angebotenen Jobs sind tough, vor allem im Gastrobereich. Anders als seine Mitbewerber kann Maritim aber mit moderaten Arbeitszeiten und einer überdurchschnittlich niedrigen Abbrecherquote glänzen: 15% statt 50%. Dies wollte man stark machen. Genauso wie die vielfältigen Begegnungen und die Solidarität zwischen den Kollegen. Aber wie?

Das Video von Maritim setzt auf Motivation, weniger auf Information. Es gibt keine Statements, die Azubis performen auf ganz andere Weise.

 

 

Das Video adaptiert und mixt Formate, die die Zielgruppe von YouTube und Social Media-Portalen her kennt und liebt.

Eine Stimme aus dem OFF verbündet sich mit den Azubis und spricht sie direkt an: „Deine Eltern haben gesagt…“ Dazu sehen wir einen Mix aus Tanzeinlagen der Azubis, Spielszenen, Jump- und Match-Cut-Sequenzen aus Arbeits- und Freizeitbildern und jede Menge unerwartete und witzige Breaks.

Der Erfolg ist schon jetzt sichtbar: Das von Maritim Hotels auf Facebook gepostete Azubi-Video wurde innerhalb eines Tages 100fach geklickt und geliked. Genauso wie der Mitarbeiterfilm.

Unser Überraschungsfund: Glaserei Sterz

Maximal authentisch  – eine Low-Budget-Kampagne geht viral 

Eigentlich ist der zum Viralhit avancierte Bewerber-Aufruf der Glaserei Sterz (bisher über vier Mio. Aufrufe) die Ausnahme zur Regel, niemals den Chef zum Hauptakteur zu machen. Aber Firmeninhaber Sven Sterz überzeugt: Mit seiner Haltung, Dinge für zukünftige Azubis anpacken zu wollen, und mit ihnen. Sterz biedert sich nicht bei der Zielgruppe an. Er nimmt sie ernst und stellt auch konkrete Forderungen. Anders als Zetsche. So darf ein Chef ruhig sprechen!

Weitere Punkte ließen sich auch für etwas aufwändigere Recruitingvideos größerer Unternehmen adaptieren:

1. Mit einem Knalleffekt starten!

Sterz lässt eine Glasscheibe auf den Boden krachen und generiert dadurch sofort Aufmerksamkeit.

2. Branden!

Sterz setzt seinen Claim am Ende und weiß, dass dieser dort am Besten nachhallt. Recruitingfilme sind eben auch immer Imagefilme.

3. Social Media-Kontexte nutzen!

Sterz steuert die Zuschauerhaltung auf Facebook, noch bevor das eigentliche Video startet. Mit einem selbstironischen Videotitel – der sich über die Zwangslage des Arbeitsanbieter-Daseins fast schon lustig macht – und diesen bekräftigenden Emojis spricht er die Sprache der potenziellen Bewerber und macht ihnen klar, dass sie zwar vieles, aber nicht alles bierernst nehmen müssen, was im Video passiert.

4. In Serie gehen!

Sterz’ Video-Aufruf ist der Auftakt zu einer erfolgreichen HR-Kampagne auf Facebook, die mit Zwischenberichten für Spannung, User-Bindung und noch mehr Fans inklusive potenzieller Bewerber sorgte. Höhepunkt war die Verkündung und Vorstellung der ausgewählten Azubis.

Mehr Azubivideos von uns:

KONTAKTIEREN SIE UNS

Möchten Sie Ihr Employer Branding vorantreiben?
Haben Sie Pläne für Ihr Recruiting Video oder Interesse an einem Livestream-Event? Dann sprechen Sie uns gerne an.

movingimage Filmproduktion
Mark Schlossarek
Stralauer Allee 7
10245 Berlin

Tel: +49 (0)30.330 9660.49
Email: filmberatung@movingimage.com